Hundemüde und trotzdem wach…

Ich zwicke mich manchmal heimlich, um zu schauen, ob ich nicht doch träume. Aber danach sind sie immer noch da, die Palmen und die Geräusche vor der Haustür. Durch das Dorf, in dem wir nun wohnen, wabert schon den ganzen Abend ein verzauberter Gesang, hört mal:

Morgen werde ich versuchen herauszufinden, woher er kommt. Doch heute bin ich zu platt, um noch viel zu tun oder zu denken. GepaeckEs hat ganz schön lang gedauert, hierher zu kommen. 10 Stunden im Flieger, 6 Stunden im Auto. Danach ging es mir ziemlich elend. Ich konnte nicht einschlafen, obwohl ich hundemüde war und dann hatte ich wirre Träume, aus denen ich schreiend erwacht bin. Viel zu früh haben meine Eltern mich morgens aufgeweckt und wir sind in dieses riesige, laute Einkaufszentrum gefahren, wo mir nach einer Stunde der Kopf gebrummt hat, weil so viel los war. Jetzt kann ich nicht mehr und mir graut es ein bisschen vor der Nacht. Doch meine Mama hat mir versprochen, dass es mir leichter fallen wird einzuschlafen. Hoffentlich hat sie Recht.

Regen da, Sonne hier

Wir sind wieder bei meiner Omi, es ist ruhig hier und gemütlich und ein bisschen langweilig. Gestern haben wir nur einen kurzen Spaziergang gemacht, in Telawief waren wir jeden Tag stundenlang draußen. Dabei hat es dort pausenlos geregnet und hier scheint die Sonne! Manchmal verstehe ich meine Eltern nicht. Sie haben mir erzählt, dass wir in ein warmes Land fliegen würden und dann war es in Telawief fast so kalt wie hier und sie hatten nicht mal meinen flauschigen, blauen Winteranzug eingepackt. Als dann morgens endlich keine Wolke mehr am Himmel hing, sind wir schnurstracks nach Hause geflogen… Wenigstens hatten wir vorher noch ein bisschen Zeit, um am Strand die Leute zu beobachten, die auf spitzen Brettern die Wellen hinabgesaust sind. Auf der Fahrt zum Flughafen lief schrecklich schöne Musik. Das ist Botitschelli, hat der fremde Mann hinter dem Lenkrad gesagt. Den Namen merke ich mir, Herr Botitschelli soll ab jetzt immer singen, wenn wir in ein Auto steigen.

Schwarzer Schlammbart

Um das Reisen zu dritt zu üben, sind wir für zehn Tage in ein Land geflogen, wo man auch im Winter ohne Jacke nach draußen gehen kann. Gestern haben meine Eltern mich auf der Motorhaube des Mietwagens neben einer lauten Straße gewickelt. Wenn sie mich nicht festgehalten hätten, wäre ich heruntergerutscht… Ich hoffe, das haben wir nun genug geübt. HTotesMeereute waren Mama und Papa in einem sehr seltsamen Meer baden. Wenn sie auf dem Bauch geschwommen sind, haben ihre Fersen aus dem Wasser geguckt. SchlammbartSie konnten überall stehen, egal wie tief es war. Und als meine Mama einen Spritzer ins Auge bekam, fing sie an zu weinen. Danach hat sie sich von Kopf bis Fuß mit schwarzem Schlamm eingerieben und sich einen Bart ins Gesicht gemalt, um mich zu erschrecken. Das war richtig lustig, so was können wir ruhig öfter machen!

Abstellraum mit Aussicht

ImageFast alles, was in unserer Wohnung stand, steckt jetzt in irgendeiner Kiste. Ungefähr 30 davon haben meine Eltern und mein Onkel letzte Woche gefüllt. Die ganze Wohnung haben sie auf den Kopf gestellt, Regale auseinandergeschraubt, den Teppich aufgerollt, die Fotos von unserem Kühlschrank abgezogen. Am Ende sah es bei uns ziemlich  trostlos aus und wenn sich Mama und Papa unterhalten haben, hat das komisch hohl geklungen. Die Kisten haben sie in ein großes Auto geladen, das mein Onkel dann zu meiner Omi gefahren hat. Ihr gehört eine kleine Wohnung, in der eine fremde Frau wohnt, aber den Speicher darf meine Omi selbst benutzen. Er liegt in einem Hochhaus im 17. Stock und hat sogar einen eigenen Balkon! Dort sind unsere Kisten und Möbel nun bis unter die Decke gestapelt und wenn sie durch die Balkontür schielen, habe sie eine tolle Aussicht auf ein Stadion und eine Fabrik am Horizont. Nur der Teppich sieht nichts, der liegt auf dem Boden unterm Regal. Es ist schade, dass wir aus Hamburg weggezogen sind, aber bei meiner Omi ist es auch schön. Dort findet sich immer jemand, der mit mir spielt, und wir schlafen endlich wieder aus. Das tut gut nach der wuseligen Woche.