Stau auf Stelzen

Wir wollten gar nicht nach Bangkok. Weil es laut und voll ist, haben meine Eltern gesagt. Und weil Menschen, die auf die Politiker wütend sind, dort einige Straßen abgeriegelt haben. Sie wollen so die Chefin des Landes dazu bringen, ihren Job wieder herzugeben, hat meine Mama erklärt. BangkokStauAber sie konnte mir nicht genau sagen, warum wir heute trotzdem in Bangkok gelandet sind. Ich glaube, es hat etwas mit den Straßen zu tun, die auf riesigen, grauen Stelzen stehen und so sehr ineinander verschlungen sind wie ein Teller Schpagetti. Da konnte auch die sprechende Karte nicht helfen, die im Telefon von meinem Papa steckt. Wir sind  durch ein Viertel gerollt, das mit bunten Bannern und Laternen geschmückt war, weil die Leute, die dort wohnen, gerade Neujahr feiern. Das war hübsch und ich finde, wir hätten spazieren gehen sollen, dann wären wir auch schneller vorwärtsgekommen. Plötzlich war die Straße ganz zuende. BangkokSperreWir sind im Slalom um ein paar Autoreifen gefahren bis zu einer Wand aus Sandsäcken und einem Mann mit ernstem Gesicht, der uns wieder zurückgeschickt hat. Er hätte uns ruhig durchlassen können, wir kennen die Chefin von Tailant ja nicht einmal. Wenn der das auch öfter passiert, gibt sie ihren Job bestimmt bald her und arbeitet lieber weit weg von dieser Riesenstadt als Elefantenhüterin oder so.

Stadtaffen

AffeBuddhaAffen, überall Affen! In die Stadt Lopburi, in der wir gerade sind, sitzen sie auf den Schildern an der Straße, klettern über die Balkone, hocken auf dem Bürgersteig. Die Babyaffen sind so niedlich! Aber meine Mama ist nicht so begeistert. AffeSchildSie hat einen Bambusstock geschenkt bekommen, als wir einen Tempel besucht haben. Damit sie mich verteidigen kann, wenn mich ein Affe beißen will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das tun würden, aber meinem Papa wollte einer den Kaffee klauen. Er hat den Becher gepackt, alles verschüttet und dann nur einmal kurz an der braunen Pfütze auf dem Boden geleckt. Ich wusste doch, dass Kaffee nicht besonders gut schmeckt. Er riecht schon so komisch.

Fische unter der Hütte

WasserfallWir haben ein paar Tage lang auf einem Fluss gelebt! In einer Holzhütte, die leicht schaukelte und knarzte, wenn ein Boot vorbeifuhr. Im Bad konnte man durch den Bretterboden in den Fluss gucken, in dem Fische mit orangefarbenen Flossen schwammen. Am anderen Ufer rauschte ein Wasserfall über einige Felsen, das war prima zum Einschlafen. Wir waren baden, meine Eltern im Fluss und ich in einem großen schwarzen Eimer, weil es darin keine starke Strömung gab.

Am nächsten Tag sind wir früh morgens spazieren gegangen, als es noch nicht so heiß war. Der Waldboden war bedeckt mit raschelnden Bambusblättern und in den Bäumen saß ein Vogel, der quakte wie ein Frosch. Oder war es doch ein Frosch? Vielleicht wisst ihr das:

Im Rachen des Drachen

Drachentempel1 Wir sind heute in den Rachen des Drachen gekrochen… na ja, eher geklettert. Viele Stufen führten durch sein Maul in eine Höhle. Sie war wunderschön. Kleine und große Statuen von lächelnden, goldenen Männern saßen darin. Drachentempel2Im Marmorboden spiegelten sich die Lampen an der Decke. Tauben gurrten und manche Besucher schüttelten klackernd Kästchen mit Holzstäben, bis eins herausfiel. Die Nummer darauf verriet ihnen etwas über ihre Zukunft. Ich hätte auch gern das Kästchen geschüttelt. Dann wüsste ich vielleicht jetzt, ob ich mal Segelschiffkapitän oder Expeditionsleiter werde. Oder noch lieber Drachenreiter!

Puh!

Mir ist heiß! Meine Papa sagt, ich liege mittags auf unserem Bett wie ein plattgefahrener Frosch. Genau so fühle ich mich auch. Wir sind heute extra um sieben aufgestanden, um durch die Stadt zu spazieren, bevor uns die Sonne braten kann. Um zwölf waren wir wieder zurück. Doch im Zimmer war es fast so heiß wie draußen… Ich habe gequengelt, weil ich gern wieder ein Bad genommen hätte. VerkehrGestern haben meine Eltern mich in einen Eimer mit kaltem Wasser getunkt. Erst dachte ich, die spinnen, beinahe hätte mein Herz aufgehört zu klopfen. Doch danach war ich so schön erfrischt! Heute sind wir stattdessen in ein Restaurant über dem Fluss gegangen, es ist auf Stelzen gebaut und hier weht wenigstens ein bisschen Wind. Wir sind jetzt in Kanchanaburi. Hier in der Nähe soll es Wasserfälle und schattige Wälder geben, darauf freue ich mich schon. In der Stadt ist es viel zu laut und staubig. Wir haben einmal fünf Minuten gebraucht, um eine Straße zu überqueren. Wir standen in der Mitte, von beiden Seiten sausten stinkende Autos und Motorräder an uns vorbei, das war eklig. Ich habe versucht, Nase, Augen, Mund und Ohren gleichzeitig zuzuklappen. Hat nicht funktioniert, muss ich noch üben. An der nächsten Straße.

heiliger Riesenbaum Banyan

BanyanTree1Hier gibt es Bäume, die sind so heilig wie bei uns die großen Häuser mit den Holzbänken und den Glockentürmen. Gestern waren wir bei so einem Baum. Wir sind unter seiner Krone spazieren gegangen, sie war so breit wie ein ganzer Wald. In den Ästen hingen bunte Fähnchen und der Stamm war mit so vielen bunten Stoffbahnen umwickelt, dass es aussah, als würde der Baum einen Schal tragen.VBanyanTree2or dem Stamm knieten ein Mann und eine Frau. Sie haben die Köpfe geneigt und leise gemurmelt. Ich glaube, sie haben sich mit dem Baum unterhalten. Er hat bestimmt viel zu erzählen, so alt wie er ist. Mein Papa hat gesagt, der Baum ist schon mindestens 700 Mal länger auf der Welt als ich. Und er hat einen hübschen Namen: Banyan. Ich möchte auch einmal so alt werden wie Banyan. Dann habe ich vielleicht sogar noch mehr gesehen und erlebt als er. Schließlich muss ich nicht immer an derselben Stelle stehen.