Auf dem Schoß des Götterdieners

BrahmaneHier in Malaisia wohnen spannende Menschen. Einer lebt in einem Haus, das eigentlich dem Elefantengott, seiner Reitratte und den anderen Göttern gehört. Seine Haut ist dunkel wie Baumrinde. Er hat sich mit weißer Asche Streifen auf Brust und Arme gemalt. Um seinen Hals hängt eine Kette aus besonderen Baumsamen. Ich habe sie probiert, als ich auf seinem Schoß saß. Das war keine gute Idee, igitt. Der Mann hat uns erzählt, dass er den Göttern dient. Jeden Morgen und Abend wäscht er sie mit Milch und schmückt sie mit frischen Blumen und Tüchern. Ich möchte auch mal in Milch baden! Und dann soll mein Papa mir weiße Streifen auf den Arm malen, das sah schick aus.

Geflügelte Fahrräder

Wir sind in der freundlichsten Stadt, in der ich je war. Hier sind sogar die Fahrräder nett. Sie sind knallbunt geschmückt, haben Dächer wie Schmetterlingsflügel und spielen laute, lustige Musik. Wenn so ein Rad vorbeifährt, bekommt man gleich gute Laune. Vor allem nachts, dann leuchten die Räder wie Karussells auf einem Jahrmarkt. Ich wäre gern mitgefahren, aber meine Eltern wollten lieber laufen.

Schmutzschutzmaske

KualaLumpur2In der größten Stadt Malaisias haben wir eine doofe Überraschung erlebt. Während wir weg waren, hat sich hier ein schmutziger, brauner Nebel breitgemacht. Er ist so dick, dass man die Hochhäuser am Ende der Straße nicht richtig erkennen kann. Und er stinkt! Nach Rauch. Mein Papa sagt, er kommt aus Intonesien, wo Bauern den Wald abbrennen, damit sie Palmen pflanzen können, aus denen man Öl macht. Meine Eltern haben mir eine weiße Maske gekauft, die man über Mund und Nase stülpt und hinter den Ohren festmacht. Ich kann das Ding nicht leiden, es ist heiß und kneift. KualaLumpur1Zum Glück musste ich es erst einmal anziehen, denn gestern war der Nebel auf einmal wieder verschwunden. Wir sind mit einem Aufzug auf einen hohen Turm gefahren, von dem man die ganze Stadt sah. Dort oben standen Maschinen, durch die man linsen konnte und plötzlich war alles sehr nah. Wir haben einen Mann beobachtet, der in einem Schwimmbecken hin- und herschwamm. Ich habe ihm zugewunken, als er auf dem Rücken trieb, aber er hat mich nicht bemerkt. Wahrscheinlich hatte er die Augen zu.

Insektenfallen im Zwergenwald

TeeAch, ist es hier schön kühl. Ich hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlt, Socken zu tragen und sich nachts in einen Schlafsack zu kuscheln. Wir sind in die Berge gefahren und freuen uns darüber, abends ein bisschen zu frösteln. Hier bauen die Menschen Tee an, das braune, heiße Getränk, das meine Eltern morgens oft trinken. Es sieht nicht besonders lecker aus. Aber die Berge, auf denen der Tee wächst, sind hübsch. Wie fleckiges, grünes Fell bedecken die Teepflanzen die Hügel. MooswaldWir haben auch einen Spaziergang gemacht durch einen verzauberten Wald. Die Stämme und Äste der Bäume waren mit Moos überwachsen, der Boden war weich wie ein Kissen und einmal habe ich die rote Zipfelmütze eines Zwergs gesehen, der hinter einer Wurzel hervorgespäht hat. Doch bevor ich richtig hinschauen konnte, war er weg. Schade. Dafür konnte ich die Pflanzen, die Insekten fressen, genau betrachten. Ihre Blätter sind rot-gelb gemustert und geformt wie Kelche. Sie locken Insekten mit einem süßen Sirup an und hoffen, dass sie in den Kelch fallen. Schlau von der Pflanze. So muss sie nicht immer nur Regenwasser trinken. Auch wenn Insekten bestimmt nicht so lecker schmecken.

Wundertiere über und unter Wasser

Insel2Wir haben ein paar Nächte auf einer Insel geschlafen, in einer gemütlichen Hütte.  Manchmal haben uns schwarze Affen mit weißen Ringen um die Augen besucht, die aussahen, als würden sie Brillen tragen. Ich glaube, sie waren es, die nachts die Tüte mit Früchten auf unserer Veranda geräubert haben.  In den Bäumen um unsere Hütte lebte auch ein Tier, das von Ast zu Ast schweben konnte. Es hatte keine Flügel, aber eine Flughaut zwischen Armen und Beinen, die so dünn war, dass die Sonne durchschimmerte. Seine Augen waren groß und dunkel, sein Fell graubraun und seine Schnauze spitz. Ich habe leider nur ein Bild von weit weg, wie es oben auf einem Stamm sitzt. Insel1Meine Eltern und meine Schwester haben noch mehr wundersame Tiere gesehen. Wir haben einen Ausflug mit dem Boot gemacht und sie haben sich eine Gummibrille aufgesetzt und eine Röhre in den Mund gesteckt. Dann sind sie über Bord gehüpft und haben den Kopf unter Wasser gehalten. Sie konnten trotzdem weiteratmen, weil ein Ende der Röhre aus dem Wasser schaute. Später haben sie mir von Muscheln erzählt, die wie blaue Blumen auf dem Meeresgrund blühen und von Wäldern aus winzigen, bunten Bäumen, die hart sind wie Stein. Sie haben Fische gesehen, die so viele Farben wie ein Regenbogen haben, und sie sind neben einer riesigen Schildkröte hergeschwommen. Wenn ich schwimmen kann, möchte ich auch die Wälder und Gärten unter dem Meer erforschen! Es wäre schön, wenn meine Schwester immer mit uns herumreisen könnte, aber sie muss bald zurück, weil die Schule wieder anfängt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dort mehr lernt, jedenfalls nicht über Tiere und spannende Orte.

Rattenstarke Götter

HindugötterGestern haben wir einige Götter kennengelernt. Die waren aufregend! Einer hatte vier Arme, einer drei Köpfe und ein anderer blaue Haut. Es gab auch einen Gott, der aussah wie ein Elefant. Zu seinen Füßen saß eine Ratte. Mein Papa hat gesagt, dass Ganescha, so heißt der Gott, auf der Ratte reitet. So stark wie diese Ratte will ich auch sein, wenn ich groß bin. GaneshaDann trage ich meinen Papa auf einem Arm herum. Vor den Göttern verbeugten sich viele Menschen mit dunkler Haut und bunten Gewändern. Sie zündeten Kerzen an und ein Mann malte sich einen orangefarbenen Punkt auf die Stirn, um den Göttern besser zu gefallen. Mein Papa hat erklärt, dass die Menschen zu den Göttern sprechen, wenn sie in ihrem Leben nicht weiterwissen. Dann hoffen sie, dass die Götter ihnen zuhören und helfen. Wenn in der Welt der Götter eine Ratte einen Elefanten tragen kann, dann können sie bestimmt auch dafür sorgen, dass auf der Erde die Sonne scheint und dass alle Kinder in der Schule gute Noten schreiben.