Flusswellen und Pockenschnecken

SriAmanMarkt2Meine Eltern wollen nicht mehr an Orte fahren, an denen sie viele andere Reisende treffen. Sie sagen, das ist langweilig, weil man dort weniger Menschen kennenlernt, die hier geboren sind. Deshalb sind wir jetzt in einer kleinen Stadt, in der es wenig anzuschauen gibt. Wir schlendern ziellos umher und haben immer noch viel Zeit, um mit meinem roten Rennauto zu spielen. Bis jetzt haben wir noch niemanden kennengelernt. Aber heute morgen haben wir was Spannendes gesehen: Der braune Fluss am Ende der Straße füllt sich zweimal am Tag irre schnell mit Wasser. SriAmanMarkt1Dann kommen große Wellen angerollt und das schlammige Ufer auf der anderen Seite ist futsch. Auf dem Markt gibt es Früchte, die ich noch nie gesehen habe, und kleine, runde Schnecken mit braunen Pocken auf dem Rücken. Eine hat sich mit ihrem gelben, feuchten Fuß an Mamas Finger festgesaugt. Ich hätte gern die ganze Tüte gekauft, damit sie nicht gegessen werden. Aber meine Mama wollte nicht. Sie hat gesagt, dann müssten wir ja auch noch die drei Enten, die zehn Eimer mit Fischen und die Käfige mit Wachteln mitnehmen. Von mir aus gern!

Im Zelt

Am Wochenende haben wir zu dritt in einem Zelt übernachtet. Es war so groß, dass mein kleines Schlafzelt locker reingepasst hat. Marta hat es uns geliehen. Sie kommt aus den Filipinen und hilft den Freunden, bei denen wir in Singapur wohnen durften, im Haus. Marta schläft jedes Wochenende in einem Zelt am Strand, mit ihrem Mann. ZeltEastCoast2Sie verdienen zu wenig für eine eigene Wohnung. Unter der Woche lebt Marta in einem kleinen Raum hinter der Küche und ihr Mann teilt sich ein Zimmer mit elf anderen Bauarbeitern. Am Strand haben wir Martas Freunde kennengelernt, ein Picknick gemacht und ich durfte in einer Wanne plantschen. Nachmittags haben wir dem Regen zugehört, der gemütlich aufs Zelt tröpfelte. Als es dunkel wurde, funkelten die Lichter der großen Schiffe in der Ferne. Schade, dass Marta und ihr Mann nicht die ganze Woche zelten dürfen. Aber das ist nicht erlaubt.

Geschenktag

Wir waren ein paar Tage mit meiner Omi und meiner Tante am Strand. Ich war zum ersten Mal im Meer schwimmen, uiii wie salzig. Der Tag, an dem ich bunte Päckchen auspacken durfte, war am besten! Ich habe Bilderbücher bekommen und Eimer, die mein Papa für mich zu einem großen Turm aufstapelt, den ich umwerfen darf. Meine Mama hat gesagt, solche Geschenke kriegt man nur einmal im Jahr. Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.
TomCollage1Jahr

Regenbogenwasserfall

RegenbogenwasserfallWir sind heute früh aufgewacht, um zu einem Wasserfall zu fahren, in den die Sonne jeden Morgen einen Regenbogen malt. Sie scheint in die Nieseltropfen, die von einer Felskante herabfallen, und färbt die Tropfen bunt. Ich habe nicht verstanden, wie die Sonne das macht. Mein Papa hat gesagt, dass die Sonne dabei bricht. Aber als ich in den Himmel geschaut habe, war sie noch ganz. TomMuetzeEs war auf jeden Fall wunderschön. Nur dass meine Mama mir unbedingt meine neue Mütze aufsetzen wollte… Die ist viel zu groß! Ich habe sie mir so oft vom Kopf gezogen, bis meine Mama das eingesehen hat. Wenn ich wieder mal ein anderes Kind treffe, das einen größeren Kopf hat, schenke ich ihm die Mütze.

Dosenmetall aus dem Berg

Zinnminenstadt1Die Stadt, in der wir nun wohnen, war mal ganz groß. Tausende Menschen lebten hier. Sie holten ein Metall aus den Bergen in der Nähe, aus dem man Dosen macht. Wir haben zwei chinesische Großväter kennengelernt, die mehr als 20 Jahre lang tiiiiief unter der Erde arbeiteten. Dort war es heiß, eng, feucht und dunkel. Sie konnten nicht einfach nach dem Metall graben. Der Berg war so hart, dass sie Löcher hineinsprengen mussten. Das knallte und rummste und Steine fielen in den Tunnel. Uah, gruselig! Den beiden Opis ist zum Glück nichts passiert. Die Tunnel sind seit vielen Jahren geschlossen und die meisten Menschen sind weggezogen. Zinnminenstadt2Jeden Morgen sitzen die, die hiergeblieben sind, drüben auf der anderen Straßenseite an runden Tischen, trinken Kaffee, lesen Zeitung und erzählen sich Geschichten von früher. Ich hoffe, es sind auch schöne Geschichten dabei. Die zwei Opis haben uns erzählt, dass sie als Kinder kleine, grüne Spinnen gegeneinander kämpfen ließen, bis eine der Spinnen Reißaus nahm. Das war vor ihren Jahren im Berg. Jetzt haben sie ja wieder Zeit für solche lustigen Dinge.