Fischen in Badewannen

imageWietnam. Je länger wir reisen, desto lustigere Namen haben die Länder, in die wir kommen. Meine Mama sagt, nun sind wir genau seit einem Jahr unterwegs. Ich weiß gar nicht mehr, wie es war, als wir noch in Hamburg gewohnt haben. Mein Papa sagt, dort sitzen keine Geckos an den Wänden und es gibt keine süßen, kleinen Bananen zum Frühstück. Dafür bekomme ich ein eigenes Zimmer, wenn wir zurückgehen. Doch ich mag auch mein Zelt, in dem ich hier schlafe. Das habe ich auch für mich allein, meine Eltern passen gar nicht hinein. imageAußerdem finde ich es schön, dass wir jeden Tag etwas erleben und jemanden kennenlernen. Die Menschen, die wir schon in Wietnam getroffen haben, sind sehr nett, auch wenn sie nicht so oft lächeln. Dafür scheinen sie ziemlich schlau zu sein. Sie breiten den Reis auf der Straße aus, damit er trocknen kann. Die Autos haben genug Platz, es gibt ja noch eine zweite Fahrbahn. Und manche Boote der Fischer sind so rund wie die Wannen, in denen ich immer bade. Das ist praktisch, denn dann ist es egal, aus welcher Richtung die Wellen kommen. Ich habe mir auch schon oft überlegt, wie es wäre, in einer Badewanne aufs Meer zu fahren. Vielleicht gehe ich morgen früh fischen. Dann können Mama und Papa schlafen, so lange sie wollen.

Goldflockenfinger

Foto 1Wir haben Häuser gesehen, in denen mehrere Götter wohnen, der Elefantengott und Götter mit vielen Armen und blauer Haut. Dort, wo wir jetzt waren, hat ein Gott Tausende Häuser. Sie sind aus roten Ziegelsteinen, oft geformt wie Glocken und stehen verstreut auf dem Land. Der Gott, dem sie gehören, heißt Budda. Mein Papa sagt, er ist gar kein Gott, sondern nur ein besonders zufriedener, glücklicher Mensch.Foto 2 Und weil die anderen Menschen ihn bewundern, haben sie ihm so viele Häuser gebaut. Darin sitzen Buddas aus Stein und sogar einer aus Gold. Jeder, der möchte, klebt ein paar Goldflocken auf ihn. Ich auch, und ich hatte danach selbst einen goldenen Finger. Mein Papa sagt, das ist alles Quatsch. Die Menschen sollen lieber selbst versuchen, glücklich und zufrieden zu werden, statt Budda mit Gold zu bekleben. Aber ich darf das, ich bin ja schon glücklich und zufrieden.

Verrückte Stadt

Foto 2Ich dachte, eine Stadt ist immer bunt und voll und laut. Die Hauptstadt von Mianma ist ganz anders. Alles ist riesig und riesig weit entfernt. Wir konnten nirgendwohin laufen und mussten jedesmal ein Auto nehmen, zum Einkaufen, zur Bushaltestelle, zum Park. Und dann waren wir ewig unterwegs, auf seeehr breiten Straßen, auf denen kaum andere Autos fuhren. Wir waren in einem Schwimmbad und in einem Einkaufszentrum, in dem wir fast allein waren. Drumherum lagen nur Felder und Wiesen. Meine Mama sagt, die Politiker haben die Stadt neu gebaut, damit sie von dort aus regieren können. Ich glaube, sie haben die Stadt gebaut, weil sie so gern Auto fahren. Sonst hätten sie ihre Büros, Häuser und Geschäfte doch viel näher aneinander gestellt!